
Das Projekt „Gelbes Haus“ verbindet Bereiche,
die im Leben ohnehin zusammengehören.
Wohnen, Gesundheit und Care, Bildung, Forschung und Unternehmertum sollen sich an einem Ort begegnen und gegenseitig bereichern. Auch das Gebäude selbst ist Teil dieser Idee. Wir haben bereits konkrete Vorstellungen davon entwickelt, wie dieser Ort einmal aussehen könnte.
Sie sind keine fertige Planung. Sie beschreiben einen Möglichkeitsraum, den wir jetzt gemeinsam mit Menschen weiterentwickeln wollen, die dafür Wissen, Erfahrung und neue Perspektiven mitbringen.

Wohnen
Gemeinschaftlich wohnen und eigenständig leben. Wir stellen uns unterschiedliche Wohnformen vor, mit privaten Rückzugsräumen und gemeinsam genutzten Flächen. Menschen sollen Gemeinschaft erleben können, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.
Das Wohnprojekt soll genossenschaftlich organisiert werden. Ziel ist bezahlbares Wohnen in einem Umfeld, in dem Menschen selbstbestimmt leben und bei Bedarf Unterstützung finden können.
Viele Flächen und Wohnformen sind noch nicht abschließend geplant. Wer früh hinzukommt, kann deshalb an der Frage mitarbeiten, wie wir hier künftig wohnen wollen und welche Modelle dafür baulich, sozial und wirtschaftlich tragfähig sind.

Gesundheit und Care
Gesundheit entsteht mitten im Leben: durch Bewegung und Ernährung, soziale Beziehungen, Natur, Sinn, Zugehörigkeit und die Erfahrung, das eigene Leben gestalten zu können.
Das Gelbe Haus soll dafür gute Bedingungen schaffen und Gesundheit umfassender denken als medizinische Versorgung allein. Zu unserer Vorstellung gehört ein Co-Healing Space mit Raum für integrative Medizin, Therapie, Bewegung und Regeneration. Wenn Unterstützung notwendig wird, sollen persönliche und gemeinschaftliche Hilfe, professionelle Care und medizinische Versorgung zusammenspielen. Ziel ist es, Eigenständigkeit möglichst lange zu erhalten und auch bei wachsendem Unterstützungsbedarf am vertrauten Ort leben zu können.
Care beginnt für uns aber nicht erst im Alter. Wir wollen auch darüber nachdenken, wie Begleitung am Anfang und am Ende des Lebens Teil dieses Ortes werden kann:
mit Angeboten rund um Geburt und Wochenbett ebenso wie mit Hospiz- und Sterbebegleitung. In Lebensphasen, in denen Menschen besonders auf andere angewiesen sind, braucht es Zeit, Nähe, gute professionelle Begleitung und Orte, die dafür geschaffen sind.
Welche dieser Vorstellungen im Gelben Haus wie realisiert werden können, ist Teil der weiteren Entwicklung.Gleichzeitig stehen wir vor einer gesellschaftlichen Aufgabe: Immer mehr ältere Menschen treffen auf ein Gesundheits- und Pflegesystem, das bereits heute unter erheblichem Druck steht.
Am Gelben Haus wollen wir deshalb neue Modelle entwickeln und erproben, die professionelle Versorgung, Gemeinschaft, Prävention und neue Technologien sinnvoll miteinander verbinden. Was sich dabei bewährt, soll nicht am Waldhof enden. Erkenntnisse und Modelle sollen auch für andere Orte nutzbar werden können.

Bildung & Wissen
In einem langen Leben sammelt sich viel an: berufliche Erfahrung, praktisches Können, Wissen, Neugier und manchmal auch die Freiheit, noch einmal etwas ganz anderes zu lernen. Am Gelben Haus sollen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Interessen zusammenkommen. Dieses Wissen soll weitergegeben werden und sich mit dem Wissen anderer verbinden können.
Welche Bildungsangebote daraus entstehen, ist heute noch offen. Bewohnerinnen und Bewohner können ihr Wissen teilen, andere Menschen und Institutionen neue Perspektiven hineinbringen. Daraus können Vorträge, Workshops, Gespräche, Beratung und gemeinsames Lernen entstehen, vielleicht aber auch Formate, an die heute noch niemand gedacht hat.
So kann das Gelbe Haus zu einem Ort werden, an dem Erfahrung nicht stillgelegt wird und Lernen kein Alter kennt.

Forschung & Entwicklung
Viele Fragen, die uns beschäftigen, betreffen längst nicht nur den Waldhof. Wie können Menschen länger selbstständig leben? Wie verändert sich Care, wenn professionelle Versorgung und Gemeinschaft zusammenspielen?
Welche Rolle können Prävention, Robotik, digitale Assistenzsysteme und andere Technologien dabei übernehmen? Und wie müssen solche Technologien gestaltet sein, damit sie Menschen tatsächlich dienen?
Das Gelbe Haus könnte für Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ein Ort werden, an dem solche Fragen nicht nur theoretisch untersucht werden. Unsere Vorstellung ist ein Reallabor: ein realer Lebensort, an dem neue Lösungen gemeinsam entwickelt, praktisch erprobt und wissenschaftlich begleitet werden können. Die Menschen, die hier leben, sollen dabei nicht bloß Gegenstand von Forschung sein. Sie können Fragen mitentwickeln und freiwillig an Forschungsvorhaben mitwirken.Dafür suchen wir Partner aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, die diesen Möglichkeitsraum mit uns weiterdenken und daraus belastbare Kooperationen entwickeln wollen. So kann Austausch in beide Richtungen entstehen: Forschung und neue Entwicklungen kommen ins Gelbe Haus, Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Gelben Haus wirken nach außen.

Arbeiten & Unternehmen
Auch Arbeit gehört zum Leben. Ein Teil des Gelben Hauses soll Raum für Menschen bieten, die beruflich tätig sind, etwas gründen oder ein Unternehmen oder gesellschaftlich relevantes Vorhaben entwickeln möchten. Wunderbar wäre die Zusammenarbeit mit Menschen und Organisationen, die das Gebäude als Arbeits-, Bildungs- oder Wirkungsraum gemeinwohlorientiert und wirtschaftlich selbsttragend nutzen wollen.
Denkbar sind Coworking, Beratung, Unternehmen, Start-ups und Kooperationen. Auch innovative Unternehmen, deren Arbeit zu den Themen des Projekts passt, könnten hier einen Ort finden.
Viele Menschen erreichen heute das klassische Rentenalter mit jahrzehntelanger Erfahrung, Wissen, Netzwerken, Neugier und Lust, weiterhin etwas zu bewegen. Nicht unbedingt im alten Takt und nicht zwingend in den alten Rollen. Erfahrung kann weitergegeben werden. Andere Vorhaben können begleitet werden. Und manchmal beginnt mit sechzig oder siebzig noch einmal etwas vollkommen Neues.

Ein Bau für die Zukunft
Auch das Gebäude selbst ist Teil unserer Vorstellung. Die ehemalige Klinik soll nicht einfach saniert, sondern nach den Prinzipien regenerativer Baukultur weiterentwickelt werden. Zu den Vorbildern gehören die in den USA entwickelten Earthships: Gebäude, die Energie, Wasser, Materialien und Lebensmittelproduktion in möglichst geschlossenen Kreisläufen zusammendenken.
Mit Ralf Müller gehört ein Architekt zum Projekt, der diese Bauweise aus den USA nach Europa gebracht und hier bereits realisiert hat. Seine Erfahrungen fließen in die Entwicklung des Gelben Hauses ein.
Bestehende Substanz, natürliche und gesundheitsfördernde Materialien, Energie, Wasser und andere Ressourcen sollen als Teile eines gemeinsamen Kreislaufs gedacht werden. Wie weit sich diese Vorstellungen in der ehemaligen Klinik technisch, baulich und wirtschaftlich umsetzen lassen, gehört zu den Fragen, die jetzt genauer untersucht werden müssen. Das Gebäude ist damit nicht nur die Hülle für das Projekt. Es ist selbst eines seiner Entwicklungsfelder.
