Der Waldhof

Der neue Waldhof als Zukunftsdorf

Der neue Eigentümer Thorsten Junk sah im Waldhof von Anfang an einen „Lieblingsort, an dem Lieblingsmenschen Lieblingsdinge tun“: Hier sollen Menschen sich im Miteinander und in der Natur wohl, lebendig und verbunden fühlen können. Ein besonderer Ort, ein Herzensprojekt. Voraussetzung dafür war und ist für ihn, dass der Waldhof mit seiner großen Fläche und seinen vielen Einzelgebäuden als Gesamtensemble erhalten und mit einem stimmig zusammenhängenden Konzept neu bespielt wird. Es brauchte also Menschen mit Inspiration, Visionskraft, Kreativität, Mut und Lust auf Komplexität, um das dem Waldhof innewohnende wunderbare Potenzial in die Hand zu nehmen!

Die Initiationskraft und das weit verzweigte Netzwerk von Johanna Helbig führten im Sommer 2019 eine Gruppe junger Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen zusammen: die jetzige Projekt- und Lebensgemeinschaft. Einen Teil von uns verbindet bereits ein langjähriger Weg mit dem Verein „Medizin und Menschlichkeit e.V.“, insgesamt sind wir jedoch eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Uns alle vereint der Wunsch nach Umsetzung innovativer und zukunftsfähiger Lösungsansätze für die Herausforderungen unserer Zeit – gesellschaftlich/sozial, gesundheitlich, wirtschaftlich und ökologisch. Wir greifen sensibel die Tradition und den Geist des Ortes sowie den umgebenden Kontext der Region auf und knüpfen mit unseren Ideen daran an. Wir lassen uns ein auf einen organischen, abenteuerlichen und bewussten Entwicklungsprozess – im fruchtbaren Spannungsfeld zwischen unseren Idealen und dem sich immer wieder verändernden Rahmen der Möglichkeiten. Unsere Herangehensweise und Haltung ist eine zutiefst dem Leben, der Liebe und der Lebendigkeit dienende. Wir betrachten den Menschen als Potenzial, nicht als Problem; und entsprechend möchten wir dieses Potenzial in Zusammenarbeit mit der Natur und der Region am Waldhof entfalten.

Wie ließe sich das besser verwirklichen als in Form eines (Zukunfts)-Dorfs???

Der Waldhof befindet sich mit uns (und allen, die dazu kommen) also in einem Transformationsprozess hinein in ein neues Kapitel seiner Geschichte. Weiter im Zeichen der ursprünglichen Themen, nur in einem neuen Gewand und in einem anderen Zeitgeist.

Wir nehmen die Herausforderung und Chance dankbar an.

Die Geschichte

Der Ort Elgershausen fand erstmals 1351 Erwähnung und ist geprägt von Jahrhunderten bewegter Geschichte mit einer kraftvollen Einladung zu Begegnung, Besinnung, Heilung und Bildung. Das Herzstück des Ortes ist die Marienkapelle, die ca. 1430 von Graf Bernhard als Mittelpunkt seiner Grafschaft erbaut wurde. Schon damals strömten Menschen zu dem bedeutenden Wallfahrtsort, wo auch noch heute der Hugenottenwanderweg kreuzt und Pilger*innen zur Rast und Besinnung einlädt. Nach Nutzung als Hofgut und im Anschluss als Oberförsterei errichtete im Jahre 1900 schließlich Dr. Georg Liebe eine Heilstätte für Tuberkulose und benannte den Ort „Waldhof“.

Beispielhaft erscheint das Konzept von Dr. Liebe zur Überwindung der Schwindsucht: es sollten Naturheilkräfte aus Luft und Wasser in Verbindung mit Gesundheitsbildung zur Genesung führen. Die Behandlung bestand damals schon aus Luftkur, Liegekur, Sonnenbädern, einer Wasserkur in Kneippkuranlagen, Ernährungsumstellung, körperlicher Betätigung und psychischer Begleitung – und all dies in Gemeinschaft („Clubs“). Dr. Liebe wird als temperamentvoll-idealistischer Mensch beschrieben, der mit großem Organisationstalent und unerschütterlicher Tatkraft einen Ort schuf, wo er ganzheitlich behandelte und große Bedeutung in der Krankheitserklärung und –prävention sah. Weiterhin zeigte er sich sozialreformerisch, indem er z.B. sozial Schwachen die Aufnahme in die Heilstätte ermöglichte.

Als Dr. Liebe 1924 mit 59 Jahren starb, war sein Lebenswerk „Waldhof Elgershausen“ zu einem kulturellen Mittelpunkt in der Region angewachsen. Es folgten bewegte Zeiten: in und nach den Kriegsjahren diente die Klinik teils als Flüchtlingsunterkunft, Lazarett für tuberkulös erkrankte Soldaten. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Klinik unter wechselnder Führung, zuletzt maßgeblich von Prof. Morr, mit den Fortschritten der modernen Lungenheilkunde zu einer der bedeutendsten Lungenfachkliniken Mittelhessens fort. Das „Café Pustekuchen“ war bekannt als herzlich geführte Institution für leckere Kuchen mit wunderschönem Ausblick auf die Streuobstwiese und die großen, alten Bäume ringsum.

Mit Übernahme durch den Träger Agaplesion im Jahr 2006 zeichnete sich trotz engagiertem Widerstand aus der Region der Umzug der Fachabteilung an das Agaplesion ev. Krankenhaus Mittelhessen in Gießen ab, welcher schließlich zum März 2021 vollzogen wurde.

2018 wechselte der Waldhof schließlich in Privatbesitz.